Beste Bildung für Niedersachsen

24. Juli 2017

Qualität durch Wissen und Werte – oder: My Place between Facebook, Humboldt, and Jobs

Angst vor IS-Terror in Europa und die Integration von vielen, zum Teil traumatisierten Flüchtlingen in unsere Gesellschaft stellen uns vor eine sehr große Herausforderung. Mehr noch, sie polarisieren unsere Gesellschaft unnötig. Eine Politik der Extreme kann keine angemessene Antwort auf diese Herausforderungen sein. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vernunft geht derzeit nicht verloren, aber sie muss neu verortet, neu erarbeitet und somit wieder salonfähig gemacht werden.

Dabei spielt Bildung, gern auch die „Beste Bildung der Welt“, wie sie sich die FDP jetzt auf ihre Flagge geschrieben hat, eine zentrale Rolle. Die unbestritten wichtigste Antriebskraft für die Freien Demokraten bleibt weiterhin die Innovationskraft der Wirtschaft auf der Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft. Die vermeintlich kühle Fassade der wirtschaftlichen Vernunft im Liberalismus – so sind sich viele Stimmen in der bundesweiten Presselandschaft einig – genügte bislang nicht, um die FDP wieder in den Bundestag und in die Mehrzahl der Länderparlamente zu führen. Das hat sich spätestens seit dem Bundesparteitag der FDP im April 2017 geändert. Die drei tragenden Säulen der erneuerten FDP von 2017 sind: Soziale Marktwirtschaft, Bürgerrechte und weltbeste Bildung.

Bislang fehlte der FDP eine zutiefst menschliche Beigabe; das wussten bereits die großen Aufklärer und Humanisten in der Tradition des deutschen Idealismus. Denn Vernunft allein kann kein Herz zur Einsicht bewegen und wir machen uns etwas vor, wenn wir versuchen, das menschliche politische Denken und Handeln auf das reine Vernunftpostulat Kants zu reduzieren. Zum Glück springt aber jemand hier in die Kommunikationslücke; es ist kein geringerer Aufklärer, Dramatiker und Essayist als G. E. Lessing. Denn Literatur, das wissen alle Pädagogen auch heute, dient auf eindrucksvolle und fast unmerkliche Weise dazu, zu belehren; und zwar nicht nur auf der Ebene des Verstandes, sondern auch auf der des Herzens. Die bekannte Ringparabel in Lessings Drama der Aufklärung, Nathan der Weise, schließt diese Übertragungslücke zwischen Vernunft und Herz. Seine Parabel vermittelt auch die Botschaft der religiösen Toleranz zwischen den drei großen Weltreligionen. Aus Empathie und Einfühlung kann eine solide Brücke gebaut werden, über die es sich zu gehen lohnt.

"Der Staat ist für den Menschen da; nicht der Mensch für den Staat." Albert Einstein

Dieses Zitat Einsteins kann durchaus mit dem Begriff der Bildung ersetzt werden und könnte folglich lauten: Bildung ist für den Menschen da; nicht der Mensch für die Bildung. Stellt Einstein die Funktion des Staates wieder in den Dienst des Menschen, wird sie dadurch auch einer klaren Rangfolge unterworfen. Diese Rangfolge kann gut auf das politische Ziel der „Weltbesten Bildung“ übertragen werden. Gerade im Zeitalter der Globalisierung und der medialen Aneignung und Übertragung von Wissen stehen wir auch in der Bundesrepublik vor einer großen Herausforderung. Wissen und Wissensvermittlung werden heute schnell, komprimiert und zielgenau in Foren, sozialen Netzwerken und sonstigen Internet-Orbits lanciert und ebenso schnell konsumiert. Im Fokus steht heute vor allem der Wissens-Transfer und das Medium selbst. Es wird selbst, wie es in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bereits der Medientheoretiker und Soziologe, Niklas Luhmann, treffend formulierte, zum Inhalt und vermehrt zur eigentlichen Nachricht: „The medium is the message.“ Obwohl einige Strömungen in der Philosophie, Literatur- und Medientheorie des ausgehenden 20. Jahrhunderts schon das Ende des menschlichen Subjekts, jenes zentrale Konstrukt der Aufklärung, in kritische Distanz rückten oder sogar für tot erklärten, sind wir in unseren demokratischen Gesellschaften des Westens noch immer auf das Primat dieses menschlichen Subjekts angewiesen. Das gesamte Konzept von Demokratien, einst in Griechenland geschaffen, beruht bekanntlich auf dem einzelnen Menschen und seiner Persönlichkeit, die im großen Dialog und in Debatten Entscheidungen herbeiführen, um diese für ihre jeweilige Gesellschaft mehrheitlich umsetzen zu können. Diese kulturhistorische Tradition beruht vor allem auch auf der zentralen Rolle des gebildeten Menschen. Durch „Weltbeste Bildung“ können Bürger/innen noch besser dazu befähigt werden, Verantwortung für sich und ihre Gesellschaft zu übernehmen; und zwar in einem Zeitalter, das durch extreme Herausforderungen und Paradoxien gekennzeichnet ist.

„Tradition und Innovation sind kein Widerspruch“ Reto Francioni, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse

Weltbeste Bildung sollte insofern einen kulturhistorischen Bogen von mindestens drei Jahrhunderten spannen; nämlich von Wilhelm von Humboldt zu Steve Jobs. Ging es Humboldt im Zeitalter der Aufklärung vor allem darum, den zu bildenden Menschen mit all seinen Anlagen auszubilden und ihn nicht von vorherein reduktionistisch auf Verwertbarkeit zu trimmen, dann ist dieser Ansatz insofern wichtig, als dass er den einzelnen Menschen mit seinen potentiell zu gestaltenden Anlagen in der Mittelpunkt rückt. Grundlage für dieses Menschenbild sind die zentralen Attribute der Aufklärung, wie Kommunikation durch und in verschiedenen Sprachen und Kulturen, Toleranz, Vernunft sowie die Freiheit des Denkens und die Ausbildung eigenständigen und kritischen Denkens und Urteilens. Kritisches Denken und Kommunikation in und zwischen den Kulturen muss in unseren Schulen weiter ausgebaut werden, damit auch Deutschland die Herausforderungen, die die vielen Schüler/innen mit und ohne Migrationshintergrund an unser Bildungssystem stellen, produktiv und erfolgreich auffangen und neu ausrichten kann. Hierbei stehen Methoden und Wissensinhalte des Westens denen anderer Kulturen zum Teil diametral gegenüber, was den schulischen Erfolg und somit die Aufstiegschancen vieler junger Menschen hemmt. Das muss dringend verändert werden, um neue Chancen für alle in unserer Gesellschaft zu schaffen.

Beste Bildung braucht mehr als Personen; wir brauchen Persönlichkeiten

Die Wortgeschichte des Nomens „Person“ informiert uns, dass „persona“ im Lateinischen gleichbedeutend mit Maske gewesen ist. Persona maskiert also die Eigentlichkeit, die Authentizität - schlicht die Persönlichkeit eines Menschen. Von hieraus ist der Weg zur „Uni-Formalität“ der Person schlechthin nicht mehr weit und genau hier setzt derzeit auch die Kritik vieler Bildungsexperten in Deutschland an. Bildung müsse auch wieder die Individualität stärken; und nicht nur den Teamgeist, das soziale Lernen und die permanente physische Verfügbarkeit in Ganztagsschulen einfordern. Auch Gegengewichte zu diesem Mainstream der heutigen Gruppenpädagogik in der derzeitigen Bildungspolitik sollten umgesetzt werden, damit erstere nicht zur Doktrin gerinnt. Der bekannte Medientheoretiker, Nobert Bolz, von der TU Berlin verbindet diese Kritik an der Gruppenpädagogik mit der impliziten Aufkündigung von Differenzen in der bundesdeutschen Bildung. Bolz schreibt diesbezüglich:

„Schüler und Studenten, aber auch Lehrer und Professoren sind gleichermaßen durch die politische Heuchelei entmutigt, die uns einreden möchte, alle seien gleich begabt. Integration heißt dann zumeist, wo sich Differenzen zeigen, wird nivelliert. Darum emanzipiert sich der gute Unterricht sukzessive von den klassischen Bildungseinrichtungen.“

Bolz beschreibt hier, wie das „soziale Lernen“ das Paradigma Humboldts von der als positiv gesetzten „Einsamkeit und Freiheit“ des Einzelnen im Lernprozess ersetzt hat und wie jene „sozialen Tugenden“, also Teamwork, Kooperation und Konformismus, die Bildungswerte der Aufklärung zunehmend erodieren. Pädagogische Vielfalt muss auch in diesem Bereich wieder Einzug halten. Gleichzeitig sollte „Beste Bildung“ auch darauf abzielen, Motivation sowohl durch Inhalte als auch durch Lehrkräfte aufzubauen. Denn Motivation ist auch Elixier für Leistung. Insofern spielen Lehrkräfte eine äußert zentrale Rolle, die in der Pädagogik der letzten Dekaden mehr und mehr marginalisiert wurde; zu Unrecht. Lehrkräfte sollten nicht nur hervorragend ausgebildet sein, sondern auch wieder im Sinne einer positiven Autorität, die auf Wissen und Empathie fußt, Vorbildfunktion für die sie unterrichtenden heranwachsenden Menschen einnehmen. Dazu gehört es auch, besondere Leistungen und besonderen pädagogischen Erfolg differenziert zu vergüten ist. Unbezahlte Mehrarbeit einer Lehrergruppe ist in jedem Fall kontraproduktiv. Dr. Detmar Doering, Leiter des Liberalen Instituts der Friedrich Naumann-Stiftung, formulierte unlängst im Magazin „Liberal“(2/2015):

„Bildung wird immer mehr auf den Erwerb sozialer Kompetenzen verengt, während inhaltlich definierte Bildung im eigentlichen – also im humboldtschen-liberalen – Sinne verdrängt wird...Grundgedanke liberaler Bildungsvorstellungen ist eine den Werten der Aufklärung verpflichtete Gesellschaft freier und selbstverantwortlicher Bürger. Das verlangt eine Vielfalt an Bildungsformen und- Inhalten.“

Auch aus diesem Grund brauchen wir weiterhin eine Vielfalt an Schulformen; neben Gesamtschulen brauchen wir ebenso Oberschulen, Realschulen und Gymnasien. Vor allem aber brauchen wir einen belastbaren Schulfrieden. Schließen möchte ich mit einer Aussage von Steve Jobs, dem ich im Frühjahr 1992 an seinem und meinem ehemaligen College, Reed College, in den USA nach einem Gastvortrag noch einige Fragen stellen durfte. Meine damaligen Studenten hatten mich gebeten, ihn zu fragen, was das Geheimrezept seines Erfolgs sei. Also fragte ich ihn und er entgegnete lächelnd und mit einem Augenzwinkern:

„Freedom of ideas and creativity. That´s also why I came to Reed. Be sure to pass that on to your students. Of course, you also need structure and a lot of content. But the latter you can get pretty much anywhere. The former you only get here at Reed.“

Reed College in Portland, Oregon, USA und Hannover oder Berlin liegen nur zwölf Flugstunden voneinander entfernt. Im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung ist das keine Entfernung mehr. -

„Beste Bildung“ in Kürze

  • Verzahnung von belastbarem Grundlagen- und Transferwissen
  • Methodenvielfalt sowie kritisches Transferdenken
  • Solitary Work und Teamwork
  • Gruppenarbeit sowie Frontalunterricht durch beste Pädagogen
  • Verzahnung von Grundlagen- und Spezialwissen unter dem Aspekt der Kreativität
  • Textverständnis – die Kunst des Verstehens und der kritisch-produktiven Reflexion durch Literatur
  • Medienpädagogik und Medientheorie sowie Interkulturelle Kommunikation an allen Schulformen
  • Stärkung der MINT-Fächer sowie zweier Fremdsprachen an allen weiterführenden Schulformen
  • Durchgängiger Musik- und Kunstunterricht von der KITA bis zum Ende der Schullaufbahn

Kurzversion meines Essays Beste Bildung für Niedersachsen

Beste Bildung für unser Land.

Konstantin Kuhle

Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen

Ich unterstütze Dr. Marion Villmar-Doebeling, weil Niedersachsen in der Bildungspolitik nicht länger das Experimentierlabor rot-grüner Schulversuche sein darf.

Christian Grascha

Landtagsabgeordneter

Ich unterstütze Marion, weil sie optimistisch, kompetent und offen für Neues ist.

Irnfried Rabe

Bürgermeister a.D. Kreistagsabgeordneter Volljurist

Ich wähle Marion, weil sie in der politischen Praxis Vernunft, Sachverstand und Herz vereint. Wirtschaftliche Vernunft geht bei ihr Hand in Hand mit Chancengerechtigkeit für jeden Einzelnen.

Eckhard Ilsemann

Ratsherr

Ich wähle Marion, weil sie sich für den Mindestabstand von Windrädern von 1500m zu Bebauungsgebieten einsetzen wird.

Dr.med.Reinhard Binder

Arzt Ratsherr

Ich schätze ihre fachliche Kompetenz vor allem im Gebiet Schulen und Erziehungseinrichtungen und die Konsequenz mit der sie sich darum kümmert.

Edgar Martin

Bürgermeister a.D.

Ich wähle Marion, weil sie auch kleine Schulen im ländlichen Raum unterstützt.

Dr. Christian Eberl

Staatssäkretär a.D.

Die FDP steht mit ihrer Kandidatin für die Landtagswahl 2018 im Wahlkreis Northeim insbesondere für Chancengerechtigkeit und differenzierte Bildungsangebote. Hierbei möchte ich Frau Villmar-Doebeling auch persönlich unterstützen und ihr viel Erfolg bei der Wahl wünschen.

Björn Försterling

Landtagsabgeordneter, schulpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion

Ich unterstütze Marion Villmar-Doebeling, damit Schulpolitik wieder ohne Ideologie für die Kinder gemacht wird.